Seine Macht ausnutzen

Was tust du, wenn dein Nachbar sein Kind schlägt? Mir ist diese Situation letzten Sommer auf einem Campingplatz wiederfahren –  und es hat mich in eine unangenehme Situation gebracht. Soviel noch zum Vorfall: Er verursachte keine körperlichen Verletzungen und zum Glück haben unsere Kinder nichts mitgekriegt. Aber ganz im Ernst: Was würdest du tun? Du bist im Ausland. Willst dich selber auch nicht in Gefahr bringen. Sprichst die Sprache schlecht.

Auf was will ich mit diesen Zeilen hinaus? Das Thema ist nicht, ob einem Kind eine Ohrfeige schadet oder nicht – meiner Meinung nach schadet es. Wer einen offensichtlich Schwächeren schlägt, zeigt, dass er sich nicht mehr anders auszudrücken weiss. Er nutzt seine Macht aus. Und das ist beschämend und feige.

Anderes Beispiel: Du nimmst dir in einer fremdem Stadt ein Taxi und der Fahrer bringt dich eher im Stil einer Stadtrundfahrt als auf dem schnellsten Weg ans Ziel. Dann nützt er durch Ortskundigkeit seine Macht aus. Und wie sieht es mit dem Chef aus? Wenn aus seiner Position als Chef seine Mitarbeitenden unterdrückt, zeigt sich hier dasselbe Thema. Im Business sind Machtspiele Alltag. Ob sich hierbei Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen, möchte ich offen lassen. Und sicher sind Machtkämpfe auch privat ein Thema – darum geht es mir aber in diesem Erfolgsbief nicht.

Wie kannst du das höchste Haus in der Stadt besitzen? Entweder indem du alle abreisst, die höher sind als deines. Oder indem, dass du ein noch höheres baust. Ganz abgesehen davon, stellt sich noch die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, das höchste Haus in der Stadt zu haben. In der Praxis erlebe ich meiner Meinung nach viel zu viele Kämpfe. Chefs kämpfen gegen Mitarbeiter, Kunden gegen Anbieter und Mitbewerber gegeneinander.

Was kannst du also als Chef tun? Mit Kompetenz überzeugen. Heute hast du noch die Wahl. Wenn du nur Personen über 40 anstellst, kannst du mit einem patriarchalischen Macht-Stil noch eine Chance haben. Mit der Generation Y wird die Sache extrem schwer. Arbeitnehmer mit Jahrgängen zwischen 1977 und 1998 zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich nur durch Kompetenz und Argumente führen lassen. Wer seine Macht als Vorgesetzter ausnützt, ist diese Mitarbeiter schnell wieder los.

Und was kannst du als Anbieter tun? Nutzen für den Kunden aufbauen und spezialisieren. Klar kannst du schauen, was der Mitbewerber macht. Aber dann konzentriere dich darauf Dinge anders, besser oder schneller zu machen. Geh neue Wege und nütze möglichst wenig deine Marktmacht aus. Kunden von heute wollen gute, flexible und innovative Unternehmen – solche, die Lösungen bieten. Und die Kunden von heute – insbesondere die Generation Y – sind sehr gut informiert. Gute Firmen machen schnell die Runde. Solche, die nur to big to fail sind und sich nicht mehr für den Kunden sowie seine Bedürfnisse interessieren, werden es über kurz oder lang schwer haben.

Sollen sich nun alle im Business lieb haben? Nein. Du darfst dich auch kurz ärgern, wenn dir dein Mitbewerber einen Auftrag weggeschnappt hat. Aber dann schaue möglichst schnell wieder hin zu dir, wische vor deiner eigenen Türe und konzentriere dich auf deine Themen.

Herzliche Grüsse
Martin Aue

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