Konzentration auf das Wesentliche

Können wir das nicht bei einem Halbprofi günstiger einkaufen? Diese Frage höre ich ab und zu. Und ja, meistens gibt es die Möglichkeit grundsätzlich. Und in der Regel möchte der Kunde diese Option auch austesten. Die Aufträge gehen dann also an Teilzeit-One-Man-Shows raus und normalerweise startet die Zusammenarbeit gut. Nach einiger Zeit – war bis jetzt immer so – wird es anspruchsvoll. Der Austausch am Telefon ist schwierig, da die Erreichbarkeit oftmals schlecht ist. Der Dialog ist grundsätzlich tendenziell langsamer, was die effiziente Zusammenarbeit erschwert. Die Qualität ist erfahrungsgemäss eher schlechter und der Aufwand von der Seite des Auftraggebers höher. Und der entscheidende Punkt: Wenn etwas kurzfristig gelöst werden muss, schiesst der Aufwand sprunghaft nach oben. Denn hier müssen meistens wieder die richtigen Profis ran. Damit wir uns richtig verstehen – ich habe nichts gegen Teilzeitarbeit. Die Frage ist nur, wo man sie ausübt. Wenn man als One-Man-Show (wie immer sind auch Frauen gemeint) in einem Business unterwegs ist, wo die Auftraggeber flexibel sind, ist das auch ok. In diesem Fall müssen die Kunden aber auch ganz genau wissen, was sie erwarten können und was nicht. Erfahrungsgemäss wird es in diesem Bereich mit einem Engagement von unter 80% in Bezug auf die Arbeitszeit schwierig.

Den gleichen Tipp gebe ich auch an Startups. Kündige deinen alten Job und setze zu mindestens 50%, lieber aber 80% auf deine Selbstständigkeit. Erst wann du kein Sicherheitsnetz mehr unter dir hast, kommt die richtige Energie in das Unterfangen. Dann bist du – ganz direkt gesagt – nicht nebenbei ein bisschen Unternehmer, sondern dann musst du einen gewissen Erfolg haben. Sonst hast du über kurz oder lang ein Problem mit dem Überleben.

Doch was ist mit dem Privatleben? Der Job als Mutter und gleichzeitig haushaltführende Person wird von vielen Frauen in Teilzeit ausgeführt. Und der Job ist anspruchs- sowie verantwortungsvoll. Und was ist mit den Vätern, die sich um Kinder und Zuhause kümmern? Das Geschlecht und die Rollenverteilung haben keinen Einfluss, auf das, was ich sagen will. Leidet hier nicht auch die Qualität, wenn man sich hauptberuflich um andere Dinge kümmert?
Erziehungsverantwortliche, welche auch noch den Haushalt führen, sind gewissermassen auch Unternehmer. Und sie haben Jobs, die ausfüllen. Und beide Jobs – Unternehmer und Family-Manager – brauchen Ressourcen, gefühlsmässig mindestens 80%. Zuhause können die Ressourcen auch aufgeteilt werden. Wenn sie an Drittpersonen abgegeben werden, leidet auch hier die Qualität. Leider kommt hier noch ein Faktor dazu: Im Business hast du praktisch immer eine zweite Chance. Wenn etwas nicht geklappt hat, versuchst du es anders nochmals. Mit deinen Kindern hast du nur eine Chance.

Also: Wenn du das richtige Resultat erzielen willst, braucht es auch die richtige Energie. Und um diese Energie aufzubauen, braucht es bewusst eingesetzte Zeit. Oder: Wer A sagt, muss auch B sagen.

Fokussierte Grüsse
Martin Aue

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